Wie das kult entstand

Vom Hamalandmuseum zum kult Westmünsterland


Mit dem Strukturförderprogramm „Regionale“ bietet das Land Nordrhein-Westfalen alle drei Jahre einer bestimmten Region die Gelegenheit, mit unterschiedlichsten Projekten ihre eigenen Stärken, charakteristischen Merkmale und Qualitäten zu präsentieren. Die Regionale 2016 war dem westlichen Münsterland gewidmet.

Der Kreis Borken und die Stadt Vreden entwickelten in diesem Rahmen gemeinsam die Projektidee für das kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland. Es soll das kulturelle Gesamtprofil der Region stärken und die regionale Identität fördern. Bereits Ende 2013 hat der Lenkungsausschuss der Regionale 2016 das kult in die entscheidende Qualifizierungskategorie „A“ aufgenommen. Der Stadtrat Vreden und der Kreistag Borken haben daraufhin im Dezember 2013 den Bau und die Umsetzung des Gesamtkonzeptes für das kult beschlossen.

Das kult fasst bisher eigenständige Institutionen des Kreises und der Stadt zusammen und schafft so einen neuen kulturellen Knotenpunkt für die ganze Region. 2014 wurde mit Abriss- und Umbauarbeiten am schon lange renovierungsbedürftigen Hamaland-Museum begonnen, das zum Jahreswechsel seine Türen für die Öffentlichkeit schloss.

2015 wurde dann mit dem Neubau begonnen. Teile des ehemaligen Kreismuseums wurden in das neue Gebäudeensemble integriert. Zugleich vergrößerte sich die Fläche erheblich – sie ist nun mehr als verdoppelt. Dies war auch nötig, denn neben einer neuen Museumsfläche sind auch das historische Archiv des Kreises Borken – das bisher im Kreishaus in Borken beheimatet war, das Stadtarchiv Vreden, das vormalige Landeskundliche Institut des Kreises und die Kreisheimatpflege, die Kreisdenkmalpflege und die Kulturabteilung des Kreises Borken im kult integriert. Dabei geht es nicht nur um eine räumliche Zusammenlegung. Im kult greifen die unterschiedlichen Fachbereiche ineinander, unterstützen einander und werden so zu einer gemeinsamen Institution, die als Kompetenzzentrum einen Mehrwert für die gesamte Region bieten soll.


Projektidee

Im Rahmen der Regionale 2016 verfolgte der Kreis Borken gemeinsam mit der Stadt Vreden die Projektidee kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland. Unter einem Dach sollten bisher nebeneinander geführte Einrichtungen, das Hamaland-Museum, das Landeskundliche Institut Westmünsterland sowie die historischen Teile des Kreisarchivs und des Archivs der Stadt Vreden zusammengeführt werden.

Dadurch entstand eine kulturelle Bildungseinrichtung, die weit mehr bietet als die Summe ihrer ursprünglichen Bestandteile. Das kult soll maßgeblich dazu beitragen, die für die ländlich geprägte Region wesensmäßige und identitätsstiftende Klammer aus Ehrenamtlichkeit, Engagement und kulturellen bzw. kulturnahen Inhalten generationsübergreifend zu erhalten und weiterzutragen. Dass hierfür neue Konzepte und Sichtweisen, zeitgemäße und die nachwachsende Generation ansprechende Angebots- und Bildungsformate erforderlich sind, ist eine der zentralen Herausforderungen, der nur auf regionaler Ebene nachhaltig Rechnung getragen werden kann.

Mit dem kult entsteht ein Knotenpunkt, der das kulturelle Gesamtprofil der Region stärkt und die Identität mit der Region fördert. Geleitet wurde diese Idee von dem Gedanken der kulturellen Bildung, einem Ansatz zur Förderung neuer Lernprozesse in der Wahrnehmung von Kultur. Im Zuge dessen soll der Öffentlichkeit das kulturelle Erbe der Region in besonderer Qualität und Attraktivität angeboten werden. Fachleute aus Wissenschaft, Kulturvermittlung und Präsentation werden künftig Ausstellungen, Führungen, Projekte, Lernmodule für Schulen und Publikationen gemeinsam erarbeiten und sich dabei auf die verschiedenen Nutzergruppen von Jung bis Alt einstellen.

Der neue Knotenpunkt soll Kultureinrichtungen und Initiativen beiderseits der Grenze dabei unterstützen, ihr Profil und ihre Angebote zu schärfen sowie gemeinsame Ansätze in der Vermarktung zu entwickeln. Archive, Museen und andere Kultureinrichtungen und Initiativen sollen sich mithilfe des "kult" zu außerschulischen Lernorten entwickeln können. Gleichzeitig schafft das Zentrum Transparenz über die vielfältigen kulturellen Bildungsangebote in der Region und ihre inhaltlichen Bezüge untereinander.

Mit der Projektidee Kulturhistorisches Zentrum Westmünsterland strebte der Kreis Borken u.a. folgende Ziele an:

  • Schlüsselkompetenzen wie Persönlichkeitsentwicklung, soziale, kommunikative und kreative Fähigkeiten sowie ganzheitliches Lernen werden gefördert. Dies ermöglicht Wissen um gesellschaftliche Rahmenbedingungen und das Demokratieverständnis und stärkt eine aktive Bürgerschaft.
  • Möglichst viele Menschen sollen sich mit unserer Region identifizieren, die Kulturgeschichte der Region kennen und sich mit den Herausforderungen der Zukunft auseinandersetzen. Insbesondere für Schülerinnen und Schüler, junge Familien, ältere Menschen und bisher wenig erreichte Gruppen werden neue und optimierte Zugänge zu diesen Themenstellungen geschaffen.
  • Die vielfältigen, oftmals ehrenamtlich geführten, Kultureinrichtungen und Initiativen in unserer ländlich geprägten Region werden dabei unterstützt, sich zukunftssicher aufzustellen.

Der Blog zur Bauphase

Zwischen 2014 und 2018 wurde die Entwicklung des kult von der Planung bis zur Inbetriebnahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kreises Borken in einem Blog begleitet. Hier können Sie alle alten Artikel nachlesen:



Ausstellungs-Historie

Seit der Eröffnung im Sommer 2017 zeigt das kult regelmäßig wechselnde museale Sonderausstellungen. Neben eigenen Sonderausstellungen und kleinen Kabinettausstellungen, gastieren auch Wanderausstellungen und regionale Kulturschaffende bekommen einmal im Jahr Gelegenheit, ein eigenes Projekt im kult umzusetzen.

Alle ehemaligen Sonderausstellungen finden Sie hier in unserem Ausstellungsarchiv.


Zum Hintergrund: Die Regionale 2016

Der Begriff REGIONALE setzt sich zusammen aus "Region" und "Biennale" bzw. "Triennale". Er beschreibt ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, das im Turnus von zwei bzw. drei Jahren einer jeweils ausgewählten Region die Möglichkeit bietet, in unterschiedlichen Themenfeldern strukturwirksame Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

Dabei sollen die Qualitäten und Eigenheiten der Region herausgearbeitet werden, um Impulse für deren zukünftige Entwicklung zu geben. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt diese Initiativen organisatorisch und finanziell.

Die Kreise Coesfeld und Borken mit ihren kreisangehörigen Städten und Gemeinden sowie die Kommunen Dorsten, Haltern am See, Hamminkeln, Hünxe, Schermbeck, Selm und Werne haben unter dem Motto ZukunftsLAND den Zuschlag für die Ausrichtung der REGIONALE 2016 erhalten.

Qualifizierungsverfahren der Regionale 2016

In der Regionale 2016 durchliefen Projektideen ein dreistufiges Verfahren, das vom Lenkungsausschuss begleitet wurde. Die Stufe „C“ markierte die Eingangsstufe, in der vor allem die inhaltlichen Grundzüge des Projektes, die Trägerschaft und weitere grundlegende Fragen geklärt wurden. In der Stufe „B“ ging es noch weiter ins Detail, denn es galt, das Projekt in all seinen Aspekten realisierungsreif zu machen. Dann musste auch die Finanzierung verbindlich geklärt werden. War dies gelungen, nahm der Lenkungsausschuss das Projekt in die Stufe „A“ auf und die Realisierung konnte beginnen.

Am 02.11.2010 hat der Lenkungsausschuss das Potential der Projektidee „"Kulturhistorisches Zentrum Westmünsterland"“ als für die Zukunftssicherung der Region bedeutend anerkannt und sie in die Kategorie „C des Qualifizierungsprozesses aufgenommen. Grundlage für die Entscheidung war die eingereichte Projektskizze mit der Anlage „Inhaltlicher Dialogprozess– erste Phase im Prozess“.

In den folgenden Jahren haben das Projektteam, verschiedene Arbeitsgruppen und der Lenkungskreis des "Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland" die Projektidee in Abstimmung mit der Regionale 2016 Agentur und unter Einbindung verschiedener externer Fachleute und Einrichtungen weiterentwickelt und konkretisiert. Die Ergebnisse wurden zunächst in Form einer Projektstudie zusammen geführt.

Der Kreistag fasste im Juli 2011 den einstimmigen Beschluss, die Projektstudie bei der Regionale 2016 Agentur einzureichen. Auch der Rat der Stadt Vreden hat sich im Juli 2011 einstimmig für das Einreichen der Projektstudie ausgesprochen. Der Lenkungsausschuss der Regionale 2016 hat im November 2011 entschieden, die Projektidee in die Stufe „B“ aufzunehmen.

Zum Stichtag am 20.09.2013 hat der Kreis Borken ein Projektdossier für das "Kulturhistorische Zentrum Westmünsterland" bei der Regionale 2016 Agentur GmbH eingereicht und damit die Aufnahme in die finale Qualifizierungsstufe A beantragt. Dem hat der Lenkungsausschuss der Regionale auf Basis der Ausführungen des Dossiers am 20.11.2013 zugestimmt. Damit war das kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland als drittes Regionale-Projekt in den höchsten Qualifizierungsstatus aufgenommen worden. Dabei bildet es das erste Projekt aus dem Kreisgebiet Borken, dem die Realisierungsreife bescheinigt wurde.

www.regionale2016.de/de/regionale-projekte/projekt-detailseiten/kult.html.