Jeden Monat präsentieren wir ein besonderes Stück aus unserer Sammlung. Entdecken Sie spannende Geschichten und einzigartige Artefakte aus dem Westmünsterland.
1880 wanderte eine junge Frau aus Stadtlohn in die USA aus, ihre Reise führte sie bis nach Kansas im Mittleren Westen der USA. Ihre Familie im Münsterland sah sie wohlmöglich niemals wieder. Zur Erinnerung fertigte sie oder ein Familienmitglied ein Haarbild der Auswanderin an. Fotos eines geliebten Menschen existierten noch nicht.
Kunstvoll entstand eine florale Darstellung aus den Haaren einer Person, Draht und Perlen in häuslicher Arbeit oder von Perückenmachern, Friseure oder Näherinnen gefertigt. Neben der Erinnerung an einen verstorbenen Menschen wurden Haarbilder auch zur Erinnerung an besondere Anlässe wie eine Hochzeit gefertigt. Mitte des 19. Jahrhundert, zur Zeit des Biedermeier, war die Herstellung und Darstellung von Haarbilder in Europa beliebt.
Durch die Verbreitung der Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhundert ging die Tradition der Haarbilder verloren.
Mit aufwendigen Stickereien und feinen Perlen ist das Objekt, eine Geldkatze, verziert. Die „Katze“ trug man wie einen Gürtel um den Bauch geschnallt. Damals waren es Münzen, mit denen der Käufer Ware kaufte. Mit einer Hand an die Geldkatze konnte der Käufer schnell feststellen, ob er ausreichend Geld für die gewünschte Ware bei sich führte
Mit dem Aufkommen des Papiergeldes wurde die Geldkatze unbrauchbar. Nur die Redewendung „Rubel die Katz“ ist bis heute erhalten geblieben. Wollte ein Händler schnell ein Geschäft abschließen, riet er dem potenziellen Käufer die Katz zu rubbeln und somit zu überprüfen, ob er genügend Geld bei sich trug.
Neun Fliesen aus Keramik mit weißer Zinnglasur und einer blauen Inglasurmalerei. Die je 13 x 13 cm großen Fliesen zeigen als Dekor spielende Kinder oder Erwachsene. Als Eckmotiv dient ein sogenanntes Spinnennetz.
Die Fliesen wurden vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts in der Manufaktur Gebr. Ravestijn im niederländischen Utrecht hergestellt. Durch die nähe zu den Niederlanden sind Delfter Kacheln in vielen alten Häusern und Gebäuden im Westmünsterland und Norddeutschland zu finden.
Neu in der Sammlung ist dieser Scheffel aus Ahaus Wüllen. Eingraviert sind die Ziffern 1777 und Buchstaben J.H.H.W.H.M.. Der kreisförmige Holzbottich diente zur Messung einer Schüttgutmenge (z.B. Getreide) von 18,38 Liter. Ende des 18. Jahrhundert maß jede Stadt im Münsterland mit einem eigenen Scheffelmaß die Getreidemenge. Erst mit der Eingliederung Westfalens ins Königreich Preußen 1816 wurden Maße und Gewichte vereinheitlicht. Im gesamten Münsterland galt fortan das einheitliche preußische Scheffelmaß von 54,961 Liter.
Die Sommerferien stehen vor der Tür und für viele Schülerinnen und Schüler beginnt die schönste Zeit des Jahres – die Sommerferien. Wer die Möglichkeit hat fährt in die Berge oder an die See.
Unser Objekt des Monats Juli ist ein roter Badeanzug aus Baumwolle, mit eckigem Halsausschnitt und Gürtel. Markant am Einteiler ist die knielange Pumphose mit Volant. Der Anzug wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden hergestellt und genutzt.
Erst um 1900 kommen erste Badeanzüge für Männer und Frauen auf. Während Männer zumeist gestreifte Einteiler tragen, ist es für Frauen noch immer sittsam sich in weiten Anzügen mit gedeckten Farben zu kleiden. Erst in den 1920er Jahren wird die Bademode kürzer und angenehmer zu tragen im Wasser.
Vor hundert Jahren gehörten Hauben für Bewohnerinnen des Münsterlandes zur Alltagskleidung. Sie zeigten den Status ihrer Besitzerin in der Dorfgemeinschaft an oder symbolisierten den Gemütszustand der Trägerin.
Die dargestellte Tellerhaube wurde 1983 in die Sammlung aufgenommen. Der reichbestickte Haubenteller wurde nicht versteift. Goldene Pailletten und florale Ornamente schmücken die Haube. Der Vorderteil aus weißem Seidenband mit lila Blumenmuster wurde später vermutlich ergänzt. Möglicherweise war die Haube ihrer Trägerin zu klein. Kinn- und Nackenbänder fehlen.
Zu bewundern ist die Münsterländer Goldhaube in der neuen Kunstausstellung „sichtbar – angekommen Claudia Ebbing“. Vom 6. Juli bis 31. August 2025 werden 25 Arbeiten der Künstlerin im kult Westmünsterland präsentiert.