
Das kult Westmünsterland in Vreden zeigt in seiner Dauerausstellung wie die Grenze das Leben, den Glauben und die Kultur der Region geprägt hat und prägt. Besucherinnen und Besucher erhalten einen tiefen Einblick in die historische und kulturelle Entwicklung des Westmünsterlandes.
Der Grenzraum war schon immer ein wichtiger Ort des Austauschs zwischen verschiedenen Kulturen und Menschen. Historische Grenzsteine markieren die Grenzen und erzählen von der wechselvollen Geschichte der Region. Modelle von Flößen und Torfschiffen zeigen, wie der Transport über Flüsse und Kanäle für Handel und Wirtschaft eine große Rolle spielte. Ergänzt werden diese Einblicke durch Exponate zum Schmuggel und Zollwesen, die verdeutlichen, wie sehr das Leben der Menschen durch den Handel und die Kontrolle an der Grenze geprägt war. Landwirtschaft und Handel waren entscheidende Faktoren für den Alltag. Kleidung und Alltagsgegenstände aus der Ausstellung geben außerdem persönliche Einblicke in das Leben der Menschen auf beiden Seiten der Grenze und zeigen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. So wird deutlich, wie vielfältig und lebendig das Leben im Grenzraum war.
Ein besonderer Teil der Ausstellung ist dem ehemaligen Damenstift Vreden gewidmet, das eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Region spielte. Durch ein beeindruckendes Hologramm der Gräfin Augusta von Manderscheid-Blankenheim wird der Besucher auf lebendige Weise in das Alltagsleben und die Atmosphäre des Stifts eingeführt. Dieses innovative Medium ermöglicht es, einen persönlichen und authentischen Einblick in die Lebenswelt der damaligen Zeit zu gewinnen. Begleitend dazu zeigen zahlreiche Kunstwerke, sorgfältig erhaltene liturgische Gewänder und wertvolle Reliquien die zentrale Bedeutung des Glaubens für das Stift und seine Bewohnerinnen. Ein ganz besonderes Highlight der Ausstellung ist der berühmte Sixtus-Kasel aus dem 11. Jahrhundert – eine der kostbarsten und kunstvollsten liturgischen Gewandungen seiner Epoche. Dieses prachtvolle Kleidungsstück ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Handwerkskunst, sondern auch ein bedeutendes Symbol der religiösen und kulturellen Geschichte des Damenstifts Vreden.
Die Ausstellung verdeutlicht eindrucksvoll, welchen tiefgreifenden Einfluss religiöse Unterschiede auf das gesellschaftliche Zusammenleben in der Region hatten. Über viele Jahrhunderte hinweg prägten insbesondere die katholischen und calvinistischen Traditionen das kulturelle und soziale Gefüge. Diese beiden Glaubensrichtungen brachten nicht nur unterschiedliche Rituale und Glaubensvorstellungen mit sich, sondern beeinflussten auch Politik, Alltag und Gemeinschaftsleben nachhaltig. In der Ausstellung werden diese Einflüsse anhand zahlreicher Exponate lebendig und nachvollziehbar gemacht. Besonders hervorzuheben sind dabei kostbare Altarschreine und Reliquien, die sowohl spirituelle als auch künstlerische Bedeutung besitzen. Ein herausragendes Beispiel ist der prachtvolle Altarschrank aus der Zeit um 1750, der mit seiner kunstvollen Gestaltung und reicher Symbolik den religiösen Alltag jener Epoche eindrucksvoll widerspiegelt. Zusammen geben diese Objekte einen faszinierenden Einblick in die religiöse Vielfalt und deren Wirkung auf das Leben der Menschen in der Region.

Das Schaudepot des kult Westmünsterland befindet sich im ältesten Teil des Gebäudekomplexes, dem historischen "Gasthaus zum Heiligen Geist", auch bekannt als Armenhaus. Dieses um 1660 errichtete Gebäude diente ursprünglich als Armenhaus und beherbergte ab 1938 das "Hamaland-Museum". Heute bietet das Schaudepot spannende Einblicke in die musealen Sammlungen des kult und thematisiert insbesondere das Sammeln als kulturelle Praxis.
Das ehemalige Armenhaus in Vreden war ein wichtiger Bestandteil der sozialen Versorgung innerhalb des Stifts. Es bot bedürftigen Menschen, die keine eigene Unterstützung fanden, ein einfaches Zuhause und grundlegende Hilfe. Hinter jedem Fenster des Gebäudes befand sich ein kleines Zimmer, das den Bewohnerinnen und Bewohnern als Unterkunft diente – einfach, aber funktional eingerichtet und ein Spiegelbild der Lebensumstände jener Zeit.
Die Stiftdamen des Damenstifts Vreden hatten in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Sie übernahmen nicht nur die spirituelle Verantwortung, sondern waren auch maßgeblich an der Verwaltung und Organisation des Armenhauses beteiligt. Ihre Aufgaben umfassten die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner, die Sicherstellung der Versorgung sowie die Aufsicht über den Betrieb des Hauses. Damit leisteten die Stiftdamen einen wichtigen Beitrag zur sozialen Fürsorge und zur praktischen Umsetzung christlicher Nächstenliebe.

Ein besonderer Fokus liegt auf der umfangreichen Sammlung von Dr. Werner Touché, der über einen Zeitraum von rund 70 Jahren etwa 3.000 Öl- und Petroleumlampen zusammengetragen hat. Diese Sammlung ermöglicht es, die technische Entwicklung, stilistische Vielfalt und funktionalen Besonderheiten dieser Lichtquellen nachzuvollziehen.
Ein Highlight des Schaudepots ist die 33 m² große historische Tapete aus den 1820er Jahren, die Szenen aus der griechischen Mythologie zeigt. Ursprünglich vom Hof Schulze Lohoff in Laer stammend, wurde sie aufwendig restauriert und im Schaudepot neu präsentiert.